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Geschichte / Erinnerungen und Episoden
Neukirchner Originale
Frau Marianne Rodajek
Ortsbekanntes Original der Kriegs- und Nachkriegszeit (1939-1955)
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Frau Rodajek kehrte zusammen mit ihrem Ehemann ihrer polnischen Heimat, die Gegend um Krakau, wegen dort herrschender großer Armut, nach dem 1. Weltkrieg den Rücken. Im Rittergut Neukirchen fanden beide, sie als Landarbeiterin und der Ehemann als Kutscher Arbeit und Unterkunft in der alten Schäferei. Frau Rodajek gebar 13 Kinder, davon überlebten nur 3 Kinder. Der Ehemann war Alkoholiker, er verstarb schon früh. Später wohnte sie in einem alten Haus, welches an der Ecke Hauptstraße-Bachgasse, neben der Fleischerei Hans Richter bzw. Taxi-Hoyer, stand. In dem alten Haus wohnte auch Karl Werner mit Ehefrau und den Kindern Elfriede, Hannelore und Karlheinz. Herr Werner arbeitete als Korbmacher, im Erdgeschoß hatte er seine Werkstatt.
Frau Rodajek war Analphabetin, dadurch im Leben immer benachteiligt. Ihren Lebensunterhalt verdiente sie sich als Toilettenfrau bei Tanzveranstaltungen an den Wochenenden im Gasthof "Goldener Stern" und im Gasthof "Zur Linde".
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Von der Schuljugend wurde sie während des Krieges, sowie in den ersten Nachkriegsjahren als "Rattersacken" und "Polacke" beschimpft und verhöhnt. Die meisten Erwachsenen griffen leider bei dieser Verhöhnung der alten und hilflosen Frau nicht ein und sahen bzw. hörten weg.
Um ihren Kindern einen Brief zu schreiben, wandte sie sich mit dieser Bitte an meine Mutter, Frau Peters.
Es entwickelte sich ein vertrauensvolles Miteinander. Nach den Wochenenden kam sie mit ihren Stoffsäcken voller Toilettengroschen zu uns in die Bachgasse 3, wir waren praktisch Nachbarn. Aufgeschichtet in Häufchen zu 10 Groschen, zählte sie ihre bescheidenen Einnahmen.
Die ältere Generation, vor allem Frauen, in Neukirchen und Umgebung wird sich noch gut an die Frau Marianne Rodajek erinnern.
Quellenangabe:
Herr Max Peters
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