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Letzte Aktualisierung am 24.07.2017

Geschichte / Frühgeschichte bis zum 18. Jahrhundert

Die Geschichte unseres Ortes

Es ist aus heutiger Sicht nicht möglich, der Entstehung Neukirchens eine genaue Jahreszahl zuzuordnen. Erstmalig wurde unser Ort urkundlich am 02.06.1331 im Urkundenbuch - Ratsbuch Chemnitz als Newenkirchen erwähnt. Eine weitere Erwähnung enthält das Zinsregister. Diese ist mit Sicherheit früher datiert, aber leider ohne genaue Zeitangabe. Der Versuch, eine zeitliche Zuordnung durch Schriftbildvergleich zu finden, nennt hier das Jahr 1200 oder 1216.

Gründungsurkunden wurden damals weder für Dörfer noch für Städte ausgestellt, so dass es sehr unwahrscheinlich ist, noch genauere Daten der Gründung über alte Urkunden zu finden.
Es ist davon auszugehen, dass die Besiedlung unseres Ortes bereits 1130-1140 erfolgte. Ein Indiz dafür ist, dass dem Kloster Chemnitz im Jahr 1143 Marktrecht erteilt wurde, welches sich nur bei einer stärkeren Besiedlung unserer Gegend lohnte.



Um 1200 gab es in unserem Umkreis noch weitere Orte wie Adorf und Klaffenbach, aber auch Altendorf, Gablenz, Stelzendorf, Altchemnitz und Kappel, die schon längst in die Stadt Chemnitz aufgegangen sind.
Bis in das 9. Jahrhundert war unser Gebiet slawisch besiedelt. Viele Ortsnamen wie Chemnitz, Gablenz oder Zwönitz sind Beleg dafür. Um die vorletzte Jahrtausendwende stießen fränkische und sächsische Siedler ostwärts in unser Gebiet vor. Die slawischen Volksgruppen wurden ostwärts vertrieben. Reste von ihnen bilden in der Lausitz noch heute die Gebiete der Sorben und Wenden. Aus dieser Zeit der Neubesiedlung stammen auch die Ortsnamen wie Frankenberg und Sachsenburg. Der Ortsname von Chemnitz bedeutet übrigens so viel wie Steinfluss (kamen - Stein und itz - Fluss).

Im Jahre 1136 stiftete Kaiser Lothar das Chemnitzer Bergkloster, heute ein für unser Gebiet recht bedeutendes Museum der Stadtgeschichte. Dies war ein entscheidender Meilenstein für die Entwicklung unserer Gegend. Neben religiösen Motiven wollte Kaiser Lothar damit natürlich auch seine Macht schützen und ausbauen. Da es zu dieser Zeit einige Kilometer oberhalb des Flusslaufes der Chemnitz bereits einen Ort mit dem Namen Chemnitz gab, wurde dieser Ort zur Unterscheidung kurzerhand "das alte Chemnitz" genannt, der heutige Stadtteil Altchemnitz an der Annaberger Straße.

Für die Namensgebung unseres Ortes war die Errichtung eines Gotteshauses maßgeblich. Urkunden über die genaue Zeit des Baues dieser Kirche existieren nicht bzw. sind längst verschollen. Unsere Kirche, die seit zwei Jahren im neuen Gewand erstrahlt, ist noch immer die von einst, obwohl sie durch Erweiterungen und Umbauten heute sicherlich wesentlich anders aussieht als damals.
Eine weitere Baulichkeit aus der Vergangenheit könnte für die Entwicklung unserer Gegend und speziell für das spätere Wasserschloß von Bedeutung gewesen sein. Dies ist das so genannte Haus Wartha. Man sagt, es sei ein für damalige Verhältnisse recht seltenes Steinhaus gewesen. Mit diesem Steinhaus, es handelt sich mit großer Wahrscheinlichkeit um das Torhaus am Wasserschloss, sollte eine alte Heerstraße nach Böhmen und eine Furth durch die Würschnitz gesichert werden.


Ansicht des Torhauses auf einer Ansichtskarte aus dem Jahr 1905

Die weitere Entwicklung der Dörfer um Chemnitz war recht schwierig. Während Handel und Handwerk sich in Chemnitz entwickelte, galt für die Klosterdörfer das so genannte Bannmeilenrecht mit Beschränkungen, wie zum Beispiel das Verbot des Bierbrauens. Die Zahl und Art der Handwerker wurde nach dem Bedarf des Ortes bestimmt. Sie konnten nicht für den freien Verkauf arbeiten. Lediglich am Kirmestag durften die Neukirchner Handwerker ihre Waren nach Chemnitz bringen. Ansonsten war der Verkauf ihrer Waren in Chemnitz verboten. Die Bewohner der Klosterdörfer waren verpflichtet, Chemnitz bei Arbeiten an der Befestigung zu helfen. Dafür wiederum konnten sie in Kriegszeiten den Schutz der Stadt in Anspruch nehmen. Sie mussten dafür auch die Stadt mit verteidigen. Alle Klosterdörfer zusammen stellten dafür Folgendes zur Verfügung: 114 Fußknechte, 844 Spieße, 143 Pferde, 233 Zäume und Sättel sowie 5 Heerfahrtswagen.

Für unsere Gegend traten wesentliche Veränderungen um das Jahr 1540 ein. Ursache war die starke Auswirkung der Reformation und die damit im Zusammenhang stehende Auflösung des Benediktinerklosters zu Chemnitz. Die Klosterdörfer Neukirchen, Klaffenbach und Burkhardtsdorf wurden an den reichen Annaberger Bürger Wolf Hühnerkopf verkauft. Dieser besaß mehrere Silberbergwerke und war Münzmeister. Er kaufte für 7000 Gulden die umliegenden Dörfer und errichtete das Schloss. An ihn mussten fortan Zins und Fron geleistet werden. Durch die städtische Bannmeile war die Entwicklung Neukirchens allerdings in dieser Zeit weiter beschränkt. Die Zahl der Handwerker wurde reglementiert. Hühnerkopf erreichte aber auch einige Neuerungen, so durfte er für den eigenen Bedarf Bier brauen.

Fortschritte in der Entwicklung Neukirchens kamen dann mit Dietrich von Taube. Dieser hatte 1615 das Schloss Neukirchen erworben. 1616 baute er es um, so dass es das heutige Aussehen erhielt. Es gelang ihm, im Jahr 1671 für Neukirchen das Stadt- und Marktrecht zu erwerben. Durch den Einspruch der Stadt Chemnitz wurde das Stadtrecht wieder zurückgenommen, aber das Marktrecht blieb. Dieses verkaufte man 1868 an Burkhardtsdorf.
In den Jahren 1631-1641 suchte der Dreißigjährige Krieg unsere Gegend unbarmherzig heim. Die Schweden und die kaiserlichen Truppen belagerten mehrfach und abwechselnd die Stadt Chemnitz. Auch die umliegenden Dörfer wurden durch Einquartierungen, Plünderungen und erpresste Abgaben arg in Mitleidenschaft gezogen. Den Bauern nahm man das Vieh. Man hatte keine Zugtiere mehr. Viele Bauerngüter waren verwaist. Die Kirchenbücher der Neukirchner Kirchgemeinde haben viele Beispiele von Mord und Folter aus dieser Zeit festgehalten. Zu allem Überfluss wurde Neukirchen wie alle Ortschaften unserer Gegend zwischen 1623 und 1662 mehrfach von der Pest heimgesucht. Diese fürchterliche Krankheit dezimierte die Bevölkerung arg. In normalen Jahren verzeichnete man im Bereich des Kirchspiels Neukirchen (also mit umliegenden Dörfern) etwa 40 Todesfälle jährlich. Im Pestjahr 1633 waren es 338 Todesfälle. Der an der Kirche befindliche Friedhof konnte nicht alle Toten aufnehmen und so entstand unser jetziger Friedhof, weit abseits der Kirche als Pestfriedhof. Gegen Ende des Dreißigjährigen Krieges konnte man das ganze Ausmaß des Leides aus der Bevölkerungszahl der Ortschaften ableiten. So sollen Altchemnitz noch 3 Einwohner, Adorf noch 39 und Neukirchen noch 84 Einwohner gehabt haben.1


Der ehemalige Gasthof "Goldner Stern" an der Kreuzung der B169 (1975 abgerissen)

Eine bedeutende geschichtliche Reliquie Neukirchens befindet sich indes im Schlossbergmuseum zu Chemnitz. Es ist das Grabmal des Freiherrn Johann Georg von Taube. Dieser war maßgeblich 1683 am Kampf gegen die Türken beteiligt, die damals schon bis Wien vorgedrungen waren. Als er 1709 verstarb, erhielt er ein prächtiges Grabmal. Diese Grabmal, erschaffen durch einen unbekannten Künstler, ist heute als Dauerleihgabe der Neukirchner Kirchgemeinde im Schlossbergmuseum Chemnitz zu sehen.

Die Familiengruft derer von Taube in der Neukirchner Kirche spielte im Jahre 1873 noch einmal eine Rolle, als im Zuge von Umbauarbeiten diese Gruft zerstört wurde. Sie soll aus 11 großen und einem kleinen Metallsarg bestanden haben. Der 1872 gegründete Chemnitzer Geschichtsverein versuchte vergebens, die Zerstörung zu verhindern. Dieser Verein wollte die Gruft übernehmen und so der Nachwelt erhalten. Einer dieser Kupfersärge soll so schwer gewesen sein, dass 8 Mann Mühe hatten, ihn zu tragen. Der Überlieferung nach soll das Blech dieses Sarges zu Wärmflaschen verarbeitet worden sein. Die anderen Särge wurden an unbekannter Stelle des damaligen Friedhofes bestattet.2

Die Jahreszahl 1790 ist für Neukirchen, wie auch für die umliegenden Ortschaften, mit einem Aufstand gegen die Frondienste verbunden. Erst 80 Mann Militär aus Dresden, gerufen vom Chemnitzer Amtmann, konnten den Aufruhr beenden. Die Rädelsführer wurden nach Chemnitz und später nach Königstein gebracht, wo sie unterschiedlich lange Freiheitsstrafen verbüßen mussten.

Die Bevölkerungszahl Neukirchens ist in den letzten 150 Jahren stark angewachsen. Während sie 1865 bei 3168 lag, stieg sie bis 1895 auf 4475 an. 1913 hatte Neukirchen ungefähr 6000 Einwohner. Der Bericht des Bürgermeisters aus dem Jahre 1938 spricht von 7927 Einwohnern. Die höchste Einwohnerzahl nach der Vertreibung vieler Deutscher aus den ehemaligen Ostgebieten lag bei 8500. Heute hat Neukirchen ohne seinen Ortsteil Adorf etwa 5300 Einwohner.

Meilensteine der Entwicklung Neukirchens waren 1895 die Inbetriebnahme der Bahnstrecke Chemnitz - Stollberg und 1910 die erste Omnibuslinie Chemnitz - Neukirchen. Der Bahnhof wurde ein gemeinsamer mit Klaffenbach und lag damit für Neukirchen leider an einer ungünstigen Stelle. Neukirchen wollte einen anderen Trassenverlauf mit einem Bahnhof am jetzigen Abzweig nach Adorf. Allerdings konnte man sich nicht durchsetzen. Eine geplante Bahnlinie vom Bahnhof Neukirchen - Klaffenbach nach Ursprung mit einem Bahnhof in Oberneukirchen blieb ein Wunschtraum.

Die Omnibuslinie Neukirchen - Chemnitz soll übrigens im ersten Jahr 100.000 Fahrgäste befördert haben. Für die damals recht kleinen Fahrzeuge eine beeindruckende Zahl!
Im nun vergangenen Jahrhundert wurde Neukirchen durch viele Dinge in seiner Entwicklung vorangebracht. So entstand zum Beispiel eine recht beachtliche Textil- und Strumpfindustrie. Durch diese wurde Neukirchen auch außerhalb der Landesgrenzen bekannt. Sie sind ebenso aus unserem Ort verschwunden wie die Ziegeleien, von denen es Mitte des vergangenen Jahrhunderts drei an der Zahl gab.
Weitere Daten der Entwicklung waren 1908 die Gründung der Gartenstadtgenossenschaft und 1925 die Eröffnung des Freibades.

Schon völlig aus dem Gedächtnis vieler Neukirchner verschwunden ist das Wannenbad der Gemeinde, welches 1928 eingeweiht wurde. Die meisten Bürger hatten ja noch kein Bad in ihrer Wohnung. Neben den normalen Wannenbädern bot man auch physiotherapeutische Behandlungen an.


Historische Postkarte aus Neukirchen zu Kaisers Zeiten

Im Jahre 1904 entstand unser Rathaus. Nach Plänen und unter Leitung des Chemnitzer Architekten Beyer wurde mit einem Kostenaufwand von 75.000 Mark das Rathaus einschließlich Hintergebäude durch die Baumeister Hähle, Müller und Dost errichtet. Die feierliche Einweihung fand im Dezember 1904 statt, was bedeutet, dass es neben unserer Schule noch ein weiteres Jubiläum in unserem Ort zu feiern gibt.
Die Geschichte der Gemeinde Neukirchen hat vor allem in den letzten Jahrzehnten noch viele wichtige Daten aufzuweisen. Erinnert werden sollte hier aber an Dinge, die aus dem eigenen Erleben nicht mehr nachvollziehbar sind.

Quellenangabe:
Gerhard Wächtler, Lothar Sieber, Werner Lehmann - Festschrift zum Schul- und Heimatfest Neukirchen Erzgebirge, Neukirchen 1954
Archiv der Gemeindeverwaltung Neukirchen
Archiv der Kirchgemeinde Neukirchen
H. Türke, Ortschronik der Gemeinde Adorf
1Harald Weber, Chronik der Stadt Chemnitz und Umgegend, Verlag für sächsische Regionalgeschichte 1997
2Jochen Vogt, Das Epitaph des Johann Georg II von Taube, Schlossbergmuseum 1996


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