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Geschichte / Abwasserentsorgung
Ein Beitrag zur Geschichte der Abwasserentsorgung in Neukirchen
Aufgebrochenen und für den Fahrverkehr gesperrte Straßen behindern seit 2004 in vom Unterdorf in Richtung Oberdorf fortschreitenden Abschnitten in Neukirchen den Durchgangs- und Anliegerverkehr. Anlass ist zuerst das Einlegen von Abwasserleitungen einschließlich dazu erforderlicher Nebenanlagen. Sinnvoll wird dieses Vorhaben oft verbunden mit der Erneuerung von weiteren Versorgungsleitungen wie Gas- und Wasserleitungen.
Trotz allem Ärgers mit diesen Baumaßnahmen muss man sagen: Endlich bekommt auch Neukirchen ein Kanalnetz für die ordnungsgemäße und hygienische Ableitung von Abwässern, die über diese neue Anlage aus Neukirchen in das Chemnitzer Kanalnetz übergeleitet werden. Das ist unter anderem verbunden mit der berechtigten Erwartung, dass nach dem Bau einer Kanalisation in Neukirchen unser Dorfbach wieder ein gesundes Gewässer sein wird und nicht wie jetzt eine mehr oder weniger übel riechende Kloake.
War Neukirchen bei der Errichtung der Zentralen Wasserversorgungsanlage bis 1914 durchaus noch im Trend der Zeit, so hinken wir mit dem erst jetzt im Bau befindlichem Kanalnetz ein bisschen hinterher.
Nun war es ja nicht nur in Neukirchen so, dass man die Notwendigkeit einer zentralen Wasserversorgungsanlage eher anerkannte als die ordnungsgemäße Ableitung der aus der Wassernutzung entstandenen Abwässer.
Vielleicht war die Forderung des Alten Testaments im 5.Buch Mose, Psalm 23, 13 und 14: "Und du sollst außen vor dem Lager einen Ort haben, dahin du zur Not hinaus gehst. Und du sollst ein Schäuflein haben, und wenn du dich draußen setzen willst, sollst du graben; und wenn du gesessen bist, sollst du zuscharren, was von dir gegangen ist." nicht dauerhaft angepasst klar genug formuliert.
Jedenfalls waren die vorbildlichen Anlagen zur Abwasserbeseitigung der alten Kulturen des Orients oder der Römer längst in Vergessenheit geraten. Alles was da fließen konnte, wurde gezielt oder auch zufällig in die nächstgelegene Vorflut abgeleitet. Feststoffe landeten unter anderem auf dem Misthaufen.
Schlimmer noch in den Städten, wo Abwasser und sogar Kot z.T.auf auf die Straßen und Wege vor den Behausungen gekippt wurde. Gestank und Krankheitsübertragungen durch Unrat und Ungeziefer waren die Folgen.
Deshalb erkannte man besonders in den europäischen Städten mit den Bemühungen zum Bau der Zentralen Wasserversorgungsanlagen schon bald die Notwendigkeit, auch die Abwässer der Siedlungsgebiete und der sich entwickelnden Industrie geordnet zu entsorgen.
In den stärker landwirtschaftlich geprägten Landgemeinden reifte diese Erkenntnis nicht so schnell. Kurze Wege zu Bächen und Flüssen, landwirtschaftliche Verwertung von Abfallprodukten, einfachere Ausstattung der Behausungen, eben andere Lebensgewohnheiten ließen unter Beachtung der erheblichen Kosten für die Abwasseranlagen solche Vorhaben erst einmal außen vor.
Über die Abwasserentsorgung in Neukirchen von der Siedlungsgründung bis in die Zeit des Baus der Zentralen Wasserversorgung gibt es keine Aufzeichnungen. Das wie auch immer genutzte Wasser wird man auf dem kürzesten von der Natur vorgegebenem Wege wieder dem Wasserkreislauf zurückgeführt haben. Die menschlichen und tierischen Ausscheidungen wurden zumindest bei steigender Siedlungsverdichtung in Gruben oder auf Dunghaufen gesammelt und dann einer meist nahe gelegenen Verwertung zugeführt.
Das "Plumsklo" in den unterschiedlichsten Ausführungen war in Neukirchen noch im ersten Drittel des 20.Jahrhunderts Standard bei Wohnungsneubauten, siehe u.a. noch beim Bau der Häuser in der Gartenstadtgenossenschaft oder beim Bau des Wohnhauses
des Wasserwerks.

Ehemalige abflusslose Fäkalgrube
Die Spül- und anderen Abwässer aus Küche, Bad (mobil oder schon fest eingebaut), dem Waschhaus wurden in offene Gräben und bei steigender Bebauungsverdichtung häufiger in Abwasserrohre, in Sachsen meist als Schleusen bezeichnet, fachlich aber eigentlich ein Kanal (siehe deshalb auch Kanalisation), abgeleitet. Dass manchmal auch unerlaubt Fäkalien diesen Weg nahmen, war nicht selten.
Das niedergehende Regenwasser und der tauende Schnee vom Dach und den befestigten Hofflächen wurden auch auf diese Weise einer Vorflut zugeführt.
Die Gräben und Kanäle wurden in der Regel einem Fließgewässer zugeführt. Das waren in Neukirchen der Dorfbach, der Badbach (auch Wiesenbach genannt), der Krehergrundbach, die Mühlgräben der Herrenmühle und in der Sorge sowie die Würschnitz selbst.

Dorfbachabschnitt mit Ab- und Niederschlagswassereinleitungen
Alles das erfolgte bis in das 20.Jahrhundert mehr oder weniger ungeordnet, wenngleich auch schon gesetzlich dekretiert.
Das Sächsische Wassergesetz von 1909 verbot die Einleitung von ungereinigtem Abwasser, welches den Gemeingebrauch des Fließgewässer beeinträchtigen kann. Aber die Durchsetzung dieser Forderung war sicher nicht sofort überall von Erfolg gekrönt.
Aktenkundig sind erste Neukirchener Bemühungen für eine geordnete Abwasserentsorgung bereits für 1905. In einem Protokoll einer Dorfbachbegehung wird gefordert, dass die Einleitung unbehandelter Abwässer in die Straßengräben vor den Grundstücken untersagt werden soll.
In einem Bebauungsplan für die Hauptstraße ist 1906 eine Kanalisation eingetragen. Sie sollte in eine Kläranlage geführt werden, die in der Nähe der Würschnitz neben der Herrenmühle in der Mühlenstraße errichtet werden sollte.
Für 1907 liegen noch Schreiben an Grundstückseigentümer vor, in denen diese aufgefordert wurden, ihre Abwässer in Rohren zum nächsten Fließgewässer zu führen.
Die Gemeinde hat sich weiter 1910 mit dem Problem der Abwasserentsorgung und sogar der Abwasserbehandlung beschäftigt. Für eine Gemeindekläranlage hatte man sich in diesem Jahr die Vorkaufsrechte für die Neukirchener Flurstücke 10 und 509 im Bereich der Herrenmühle an der Würschnitz gesichert. Später hat man als neuen Standort eine Fläche unterhalb der Schlossschänke ins Auge gefasst, wahrscheinlich auch deshalb, weil auf den oben benannten Flurstücken eine Wassergewinnungsanlage errichtet werden sollte.
Und 1911 schließlich fordert die Kreishauptmannschaft Chemnitz die Anfertigung eines allgemeinen Ortsgesetzes über die Grundstücksentwässerung.
Wenn auch speziell wegen des Ausbaus der Hauptstraße immer wieder Forderungen der übergeordneten Behörden nach einer Konzeption der Abwasserentsorgung an die Gemeindeverwaltung ergehen, bleibt es zumindest bei Stückwerk. Einige Unterlagen weisen auf Bemühungen in diese Richtung hin. Dabei wird mehrfach die Kanalisierung des Dorfbachs als Hauptsammler von einigen Beratern vorgeschlagen und von anderen wieder verworfen.
Ohne Gesamtkonzept werden in dieser Zeit lokal Abwasserleitungen verlegt. Sie werden für die Ableitung der häuslichen Abwässer bis zum geeigneten Fließgewässer, im überwiegenden Anteil der Dorfbach, benutzt. Und dienen zweitens der Ableitung des Oberflächenwasser der nach und nach befestigten Straßen und Wege der Gemeinde.
Die Bauherren dieser Leitungsverlegung sind nicht aufgezeichnet. Neben der Gemeinde werden das auch hier und da die Straßenanlieger gewesen sein. So hat der Fabrikant Steudten nicht nur die jetzige Käthe-Kollwitz-Straße auf eigene Rechnung gebaut, sondern auch die Abwasserleitung in dieser Straße bezahlt.
Auf diese Weise entstanden schon nachgewiesen seit 1904 bis zum Ende der DDR-Zeit Kanalstrecken unterschiedlicher Größe und Materialart. Da gibt es Straßen, die vollständig kanalisiert waren und dann wieder nur teilweise mit Entwässerungsleitungen versehene Straßen und Wege. Einige Straßen erhielten nie eine Abwasserleitung. Alle diese Abwassertrassen wurden nicht nach einem Gesamtkonzept errichtet. Welche Planungsgrundsätze überhaupt angewendet wurden, lässt sich heute nicht mehr zurückverfolgen. Allein die Dimensionierung aber lässt vermuten, dass es meist keine fachmännische Planung gab. Man hat den Eindruck, dass oft nach dem "Viel hilft Viel"-Prinzip verlegt wurde. Damit soll nicht das Engagement vieler Bürger diskreditiert werden, die insbesondere in der DDR-Zeit z.B. im sogenannten Nationalen Aufbauwerk (NAW) Abwasserleitungen zur Verbesserung ihrer Wohnbedingungen verlegten, und auch die Qualität ihrer Arbeit unter Anleitung von Fachleuten ist nicht etwa grundsätzlich zu bezweifeln. Es fehlte nur eben das Gesamtkonzept.
Die nachfolgende Zusammenstellung wurde nach einer Durchsicht der Bestandsunterlagen Abwasser mit Stand der sechziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts angefertigt und berücksichtigt keine danach bis zum jetzt begonnenen Bau des neuen Kanalnetzes verlegten Strecken. Es ist einfach nur ein Überblick, der bestenfalls das insgesamt planlose Vorgehen beim Bau von Kanalstrecken in Neukirchen dokumentiert.
Hauptstraße: Es lag keine durchgehende Abwasserleitung. Überall im Straßenverlauf liegen Rohrleitungen, die meist im Dorfbach münden. Diese Leitungen dienen hauptsächlich der Aufnahme und Ableitung des Oberflächenwassers der Straße. Die ausgewiesenen Rohrleitungen sind DN 200 bis 500 Kreisprofil und auch 750/500 sowie 900/600 Eiprofil, meist aus Beton. Das Eiprofil 900/600 im oberen Ortsteil nimmt als Straßenquerung und entlang der Hauptstraße den Dorfbach auf.
Chemnitzer Str.: Im Fußweg rechts in Richtung Chemnitz eine AW-Leitung DN 400, die wahrscheinlich und notwendig, aber nicht dokumentiert in den Dorfbach abfloss.
Stollberger Str.: Eine AW-Leitung DN 300 rechts landwärts im Fußweg mit Ablauf in Dorfbach. Die Angabe widerspricht Dokument Archiv, dort 200 und 250. Die Leitungen DN 300 und DN 450, landwärts links von 1910 und 1930 sind nicht eingetragen.
Gartenstadtstraße: Im oberen Bereich bis Paul-Claußner-Str. 350 B (Betonrohr), dann 400 B und im unteren Bereich ein Profil 700/300, nach aber Archiv Ei 600/400. Abfluss in den Dorfbach
Waldstraße: 300 B von Gruppenkläranlage bis Paul-Claußner-Str.
Paul-Claußner-Str.: 300 B von Waldstraße bis Gartenstadtstraße und 250 B von Waldstr. bis Stollberger Str.
Max-Weigelt-Str.: Vom Am Sportplatz bis An der Hochspannung DN 300, danach eine Strecke DN 400, dann wieder DN 300. Leitung endet vor Abgang Badplatz, was wohl nicht realistisch ist. Sie wurde bestimmt bis zum Dorfbach weitergeführt.
Am Sportplatz: 150 Stz(Steinzeug) nach Max-Weigelt-Str.
An der Hochspannung: 200 B nach Max-Weigelt-Str.
August-Bebel-Str.: Beginn 350 B, dann mal 300 B, unten 500 Stz bis in Dorfbach
Am Anger: 300 B nach A.-Bebel-Str.
Feldstr.: 300 B, unter 250 B bis in Dorfbach
Jahnsdorfer Weg: 300 B bis Dorfbach
Weststraße zwischen Jahn und Stollberger: DN 300 nach Kanal Stollberger Str.
Jahnstraße: 150 Stz bis Weststr., dann 300 B bis Dorfbach
Forststraße: 300 B bis Dorfbach
Am Lämmelstück: 300 B und 350 B in Richtung Schlossschänke
Querweg: 200 B nach Unterer Bergstr.
Bereich Gasthaus Alte Apotheke: 800 B; 500 B; 600/300 Profil mit Richtung Dorfbach
Goethestr.: 300 Stz und 300 B nach Dorfbach
Käte-Kollwitz-Str.: 350 B (nach Archiv nur DN 300) nach Dorfbach
Friedhofstr.: 500 B nach Dorfbach
Markersdorfer Str.: 300 B und 400 B nach Friedhofstr.
Adorfer Str.: 250 B, weiter 350 Stz bei Medizinische Schule nur angedeutet, ging sicher bis Bach, von Bahnhofstr. bis Dorfbach 200 B
Bahnhofstr.: nach Gutsweg und Bergschlößchenweg kreuzt eine 400 B die Bahnhofstr und die Bahn. Wahrscheinlich Entwässerung Baywa-Gelände. Ansonsten 400 B im Fußweg nach Klaffenbach links. Weiter 200, 250 und 300 B wahrscheinlich nach Mühlgraben Herrenmühle
Schlossschänkenweg: 350 B nach Bahnhofstr.
Schönauer Str.: DN 300 auf max. 200 m
An der Feuerwehr: DN 200
Am Knie: DN 300
Baderstr.: DN 300 auf kurzer Strecke
Am Feldrain: DN 300 nach Dorfbach
Untere Bergstraße: 300 B Richtung Bahnhofstr.
In den anderen Straßen und Wegen sind nur vereinzelte kurze Einzelstrecken oder keine Abwasserleitungen eingetragen. Grundstücke in diesen Straßen und Wegen leiteten ihr Abwasser wahrscheinlich über eigene Rohre direkt einem Fließgewässer oder zumindest einem offenen Graben zu.
An diese Zusammenstellungen sollen noch drei Statistiken angefügt werden:
Von 1928 wurden folgenden Angaben gefunden:
Gemeindefläche 1.245 ha
Einwohner: 6.644
0,72 % der Grundstücke haben Spülaborte
Gesamtlänge der vorhandenen Schleusen: 4.132 m, dav. 1.410 m alte Bauarten (im Regelfall sogenannte Deckschleusen, das sind aus Naturstein oder Mauerwerk zusammengefügte Rechteckprofile)
Es gibt noch keine Planung für eine zentrale Kanalisation und eine Zentrale Kläranlage
1934 hat Neukirchen 7.408 Einwohner. 6.600 Einwohner leiten Abwässer über Privat- oder Gemeindekanäle oder direkt in einen Vorfluter (benannt Dorfbach und Würschnitz).
Rund 800 Einwohner verwenden und verrieseln Abwasser auf ihrem Grundstück.
Ab 1936 wird ein Entwurf "Satzung über die Erhebung von Gebühren für die Grundstücksentwässerung in der Gemeinde Neukirchen bei Chemnitz" diskutiert. Für eine Einleitung in einen öffentlichen Kanal oder direkt in einen Vorfluter soll eine Abgabe gezahlt werden.
Im Jahre 1938 wurde der Zustand der Ableitung der Abwässer in einer Erfassung dokumentiert. Hier wird das Abwasserentsorgungssystem der Gemeinde ohne planmäßige zentrale Kanalisation und ohne eigene Kläranlage offenbar mit einiger Zuverlässigkeit erfasst. Gemessen an anderen Kriterien erscheinen die Zahlenangaben realistisch.
- 1.410 Wohnungen leiten Abwässer über gemeindeeigene Kanäle in den Dorfbach ein
- 594 Wohnungen leiten direkt in den Dorfbach
- 14 Wohnungen leiten über gemeindeeigene Kanäle in die Würschnitz ein
- 7 Wohnungen leiten direkt in die Würschnitz ein
- 11 Betriebe leiten über gemeindeeigene Kanäle in den Dorfbach ein
- 8 Betriebe leiten direkt in den Dorfbach ein
Mit in der Summe 2.025 Wohnungen dürften in dieser Statistik alle Neukirchener Häuser erfasst sein, wenn die Einwohnerzahl für 1935 mit 7.479 angegeben wird.
Mit den voran stehenden Angaben ist die Art und Weise der Ableitung von Schmutz- und Oberflächenwasser in Neukirchen bis in unsere Zeit vor dem Bau der Zentralen Kanalisation erst einmal grob und sicher nicht vollständig beschrieben. Mehr ist aus den aufgefundenen Unterlagen aber nicht zu entnehmen. So fehlen Unterlagen zu der Bebauung im oberen Bereich der Gartenstadtstraße und der Waldstraße, wo aber Abwasserleitungen vorhanden waren.
Ergibt sich nun die vor allem umweltrelevante Frage, in welcher Qualität diese Abwässer in die Fließgewässer eingeleitet wurden.
Da muss man bis zum I.Weltkrieg und sicher darüber hinaus davon ausgehen, dass die Schmutzwässer aus den bewohnten Grundstücken und auch den Ställen direkt den oben ausgewiesenen Fließgewässern (häufig als Vorfluter bezeichnet) ohne Reinigung zugeführt und die Fäkalien direkt in Gruben gesammelt wurden.
In den zwanziger Jahren des 20. Jahrhunderts werden erstmalig Werkskläranlagen von Neukirchener Betrieben erwähnt (Färberei Oertel&Haase, Flachsaufbereitungsanstalt Thürk u.a.). Ihre Konstruktion und Wirksamkeit sind meist nicht überliefert. Man kann annehmen, dass sie ausschließlich der Reinigung der Produktionsabwässer dienten.
1923 wird ein "Ortsgesetz über die Errichtung von Spülabortanlagen" erlassen. Es verbietet bis zum Erlass eines besonderen Ortsgesetzes für die Errichtung von Spülabortanlagen die Errichtung solcher Anlagen. Ausnahmegenehmigungen konnten nur mit Genehmigung des Wasseramtes erteilt werden Das war nur mit einer Reinigung dieser Abwässer durch Absetzen der Feststoffe in einer Anlage zu erreichen. Und das waren die lokalen Kleinkläranlagen, die dann über noch viele Jahrzehnte in Neukirchen die unter diesen Bedingungen umweltverträglicheren Möglichkeiten zum Einbau von Spülabortanlagen boten.
Andererseits wurde diese Forderung auch mit der Einleitung der Spülabortwässer in ausreichend bemessene und vor allem dichte Gruben erfüllt, die in kürzeren Abständen als die Kleinkläranlagen ausgepumpt werden mussten. Solche abflusslosen "Abortgruben" werden noch heute in Neukirchen benutzt.
Das oben angekündigte besonderen Ortsgesetz ist in den Archivunterlagen nicht auffindbar, möglicherweise wurde es nie beschlossen.
1925 beantragt die Fa. Haase die Einleitung von Spülabortabwässern in den Dorfbach über eine Kläranlage.

Ehemalige Kläranlage der Fa. Haase (Färberei)
1928 beantragen dann die Familie Steudten für ihre Villa und der Lindenwirt Knoth für seine Gaststätte eben diese Genehmigung.
Zu den alten Kleinkläranlagen bis zur DDR-Zeit liegen keine Unterlagen vor. Ihre Wirkung kann hier nicht beurteilt werden. Mit dem damaligen Stand der Technik wird man wahrscheinlich nur die absetzbaren Stoffe des Abwassers zurückgehalten haben
Vom Vorhaben Bau einer Zentralen Kläranlage für Neukirchen hatte sich die Gemeinde vorerst 1923 mit dem Beschluss verabschiedet, keinen Kläranlagen-Baustock anzulegen, das heißt also Geld von den Einwohnern einzufordern und für den Kläranlagenbau zurückzulegen und vielleicht zwischenzeitlich gewinnbringend anzulegen. Eine solche Entscheidung muss man natürlich auch im Rahmen der damaligen wirtschaftlichen Verhältnisse bewerten, bei denen eine zusätzliche Belastung der Einwohner vermieden werden sollte.
Die lokalen Grundstückskäranlagen nach 1950 wurden in unterschiedlicher Größenordnung nach den angeschlossenen Einwohnern oder der Art der Produktionsabwässer angeboten. Sie verhinderten vor allem das Abfließen von Feststoffen in das aufnehmende Fließgewässer. Biologische Reinigungseffekte waren selbst bei bestimmungsgemäßer Auslegung der jeweiligen KKA gering, sicht- und riechbar in Neukirchen besonders am Zustand des Dorfbachs.

Eine Kleinkläranlage aus der DDR-Zeit
Die größeren Kleinkläranlagen wurden für viele Anschlussnehmer errichtet. Das waren entweder viele Wohnungseinheiten, Institutionen wie Schulen oder Kindergärten oder auch Betriebe mit einem großen Abwasseranfall. Als Beispiele solcher Anlagen sind vielleicht noch die beiden Kläranlagen an der Waldstraße, die Kläranlage am oberen Wiesenweg und die unten abgebildete Kläranlage der ehemaligen Medizinischen Schule in Erinnerung.

Eine größere Kleinkläranlage DDR-Zeit (Ehemalige Medizinische Schule)
Von besserer Qualität können die Kleinkläranlagen der Einbauten nach 1990 eingeschätzt werden. Hier wird die mechanische Reinigung durch eine im Regelfall wirksame biologische Reinigung ergänzt, in der Kohlenstoff- und Ammoniumverbindungen abgebaut oder besser umgewandelt werden. Unterschiedliche Konstruktionen ermöglichen die Einhaltung der je nach Qualität des zur Einleitung bestimmten Gewässers in der Einleitgenehmigung geforderten so genannten Reinigungs- oder Ablaufklassen.

Moderne biologische Kläranlage für Gewerbe und Haushalte I

Moderne biologische Kläranlage für Gewerbe und Haushalte II
Die Zukunft einer modernen Abwasserentsorgung hat in Neukirchen bereits begonnen. Unterhalb der Sternkreuzung in Richtung Adorf/Klaffenbach und darüber hinaus bis zur Bachgasse liegt in den meisten Straßen und Wegen bereits eine Kanalisation. Über diese Abwasserleitungen mit ihren Nebenanlagen werden häusliche und gewerbliche Abwässer aus Neukirchen bis zu einem Übergabeschacht im Bereich des Parkplatzes vor dem Wasserschloss in die Chemnitzer Kanalisation eingeleitet. Über das Chemnitzer Kanalnetz fließt es dann in die moderne Kläranlage Heinersdorf, wo es behandelt und in den Chemnitzfluss abgeleitet wird.
Es wird manchem bekannt sein, dass es eine Überleitung von Abwässern vor dem Bau der neuen Neukirchener Kanalisation für die Abwässer der ehemaligen KIM einschließlich einiger Wohngebäude schon gab.
Mit dem Bau der Gülleaufbereitungsanlage des ehemaligen Frischeierbetriebes (KIM) an der B 169 im Jahre 1987 wurde auch ein Abwasserkanal durch das jetzige Gewerbegebiet Süd-West von Neukirchen gebaut. Über eine Abwasserdruckleitung wurde die flüssige Phase (das geklärte sogenannte Fugat) dieser Gülleaufbereitungsanlage in das Kanalnetz im Chemnitzer Heckertgebebiet gepumpt und floss in die Chemnitzer Kläranlage Heinersdorf.
Im Jahre 1992 wurde der Betrieb der Gülleaufbereitungsanlage eingestellt.
Mit der Fertigstellung der Kanalbaumaßnahmen des Gewerbegebietes Süd-West im Jahr 1997 wurde diese vorhandene Abwasserdruckleitung in das Kanalsystem des Gewerbegebietes einbezogen. Die bis dahin bestehende biologische Kleinkläranlage am Wiesenweg, wo die Abwässer der Wohngebäude des ehemaligen Frischeierbetriebes gereinigt wurden, konnte zurückgebaut werden. Das gesamte häusliche Abwasser wird in den neuen Schmutzwasserkanal eingeleitet, und wie schon oben geschrieben der Kläranlage Heinersdorf zugeführt.
Die Neukirchener Kanalisation wird vom Bereich Abwasser des Zweckverbandes Wasserwerke Westerzgebirge mit Sitz in Schwarzenberg errichtet und betrieben.

Übergabeschacht in das Chemnitzer Kanalnetz,Parkplatz Wasserschloss
Diese Arbeit versuchte einen ersten Überblick über die Neukirchner Abwassergeschichte zu vermitteln. Die fast ausschließlich im Neukirchener Gemeindearchiv aufgefundene zugängliche Dokumentation ist recht dürftig. Sicher blieben viele Sachverhalte ungenannt. Andererseits wurde diese knappe Berichterstattung bewusst gewählt, um noch vorgefundene, nicht ganz sichere Quellen nicht mit Vermutungen vielleicht letztlich zu verfälschen.
Der Autor dankt dem Zweckverband Wasserwerke Westerzgebirge für die gestattete Einsichtnahme in die alten Abwasserbestandspläne von Neukirchen, dem Unternehmen Eifrisch Neukirchen für die Hinweise zur KIM-Abwasserentsorgung und Herrn Lothar Drechsler für eine kritische Durchsicht dieser Arbeit.
Der Heimat- und Geschichtsverein Neukirchen ist für Berichtigungen, Hinweise und persönliche Erinnerungen dankbar.
Autor:
Dietmar Sommerfeld
Am Wasserwerk 2
09221 Neukirchen
Arbeitsstand Februar 2009
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